Case-Study: Lebenszyklus eines Gutschein-Spamprojekts

29.07.2013 von Justus

Inspiriert von der sehr interessanten Analyse auf eTaktiker.ch über eine Spamseite, die für Keywords aus dem Bereich „zalando gutschein“ rankte, habe ich beschlossen, einen eigenen Test zu machen, um zu überprüfen ob sich solche Ergebnisse reproduzieren lassen und wenn ja, wie viel oder wenig Aufwand damit verbunden ist.
Auch AKM3 hat dieses Vorgehen auf dem Schirm und haben es als Trend Nr. 1 in ihrer Liste für 2013.

Um wenigstens ein bisschen Vergleichbarkeit zu erreichen habe ich die selbe Nische gewählt. Dafür gibt es gute Gründe:

  • Das Suchvolumen ist hoch. Allein für die Suchanfrage [zalando gutschein] gibt das AdWords Keywordtool über 100.000 monatliche Suchanfragen an. Das kann ganz gut hinkommen, wenn ich mir die Besuchszahlen meiner eigenen Seite anschaue, dazu weiter unten mehr.
    Das Suchvolumen bei Google für das Keyword zalando gutschein
  • Die Conversionrate ist hoch. Wer sucht nach Gutscheinen? Hauptsächlich Menschen, die gerade ihren Warenkorb gefüllt haben und vor dem Abschicken der Bestellung noch schnell einen Rabatt absahnen wollen, d.h. die Conversion ist fast schon geschehen.
  • Die Provisionen sind hoch. Beim Zalando-Partnerprogramm via Affilinet gibt Zalando heftige 12% für Neukundenvermittlungen und 6% für Sales an Bestandskunden, in beiden Fällen ohne Deckelung nach oben wie z.B. beim beliebten Amazon PartnerNet. Für gegenständliche Produkte ist das ziemlich viel, insbesondere wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Warenkorbwert laut Zalando bei 140 € (PDF, s. S. 2 Punkt 1) liegt.
    Affilinet-Provisionsübersicht von Zalando
  • Die komplette Nische rund um „zalando gutschein“ ist Spam. Oder zumindest halte ich es dafür. Der Nutzer ist sucht nur einen Gutschein. Was er bekommt ist in aller Regel irgendwelche Gutscheincodes die für ihn nutzlos oder abgelaufen sind, hauptsache der Affiliate hat sein Cookie untergebracht. In einem Umfeld in dem Seriösität derart klein geschrieben wird fällt es zumindest mir moralisch leichter, mit Spam zu experimentieren.

Nachteil:

  • Die Stornoquote ist mutmaßlich ziemlich hoch. Zalando bietet ein Rückgaberecht von 100 Tagen an, das auch gerne genutzt wird. Die in diversen Foren kolportierten Raten liegen zwischen 50 und 80%.

Mein Vorgehen

Wie kann ich die Rankings von gutschein-jet.com und Konsorten möglichst unkompliziert erreichen? Vorweg: Solche Rankings habe ich mit meinem Testprojekt nicht erreicht. Funktioniert hat es insgesamt trotzdem.

Die Spamseite rankt nicht mehr, kann aber nach wie vor unter http://www.bdthreads.com aufgerufen werden.

  1. Genau wie im eingangs erwähnten eTaktiker-Artikel beschrieben habe ich einen blogspot-Blog aufgesetzt und mir mit gutschein-kaiser.de (mittlerweile gelöscht) eine eigene, komplett frische Domain registriert und aufgeschaltet.
  2. Mit einigem Zeitaufwand habe ich ziemlich nutzlosen und uninteressanten Content rund um das Thema Schuhe und Gutscheine verfasst und über mehrere Wochen hinweg erweitert. Gegen Ende umfasste der Text, der komplett auf der Startseite platziert war, ~2.300 Wörter.
  3. Über fiverr.com habe ich für die plattformüblichen $5 ein kleines Paket an +1, Tweets und Likes gekauft. Sah einfach nett aus.
  4. Es folgte ein weiteres fiverr.com Paket mit automatisch generierten Links aus Benutzerprofilen diverser Wikis, die zu einem guten Teil auf .edu-Domains lagen. Keinerlei Content in der direkten Umgebung der Links, keine deutschen Linkquellen und ein Haufen anderer Spamlinks von diesen Domains an andere Kunden. Das waren sehr schlechte Links, die Google sofort hätte erkennen müssen.

Von dort an ging es los und ich konnte die ersten Sales verbuchen:

Zalando Sales

Die Klicks sind zusätzlich über einen bit.ly Link gegangen, der zusätzliche Statistiken liefert: https://bitly.com/Xp62GY+

Bitly Statistiken

Das ist keine schlechte CTR, wenn man sich die Besucherzahlen (mit Google Analytics gemessen) ansieht:

Analytics: Gutschein-kaiser.de

Dabei kamen die Besucher nicht über das so häufig gesuchte „zalando gutschein“, sondern über „zalando gutschein april 2013“ und ähnliches, wo die Seite sich zwischen den SERP-Positionen 8 und 4 hin und herbewegte, also nicht einmal dort eine #1-Platzierung innehatte.

Der zweifelhafte Erfolg der Seite setzte sich fort bis ich mich dazu entschied zu versuchen, die Seite mit noch mehr Links abzuschießen. Nach einem weiteren Linkpaket, diesmal der 15€ teuren „Backlinkspyramide“ von Backlinkskaufen24.com hat das auch tatsächlich funktioniert und die Rankings waren eine Woche nach der Linksetzung schlagartig weg.
Als weiteres Mini-Experiment wollte ich sehen was passiert, wenn ich den Content auf die völlig themenfremde longtime-expired domain bdthreads.com umziehe. Kurzum: Nichts.

Resultate

In der Zeit, in der die Seite aktiv war, habe ich mit 349 Klicks 125 Sales vermittelt, die Conversionrate ist mit 35% wie erwartet auf den ersten Blick ziemlich gut.

Das relativiert sich etwas beim Blick auf die tatsächlich erzielten Umsätze. Von insgesamt 686,76 € Provisionen vor Abzug der stornierten Bestellungen sind bereits 260,10 € tatsächlich bei mir angekommen, weitere 114,85 € sind bestätigt und werden folgen und 118,52 € warten noch auf ihre Bestätigung/Stornierung, die erst 60 Tage nach dem Sale erfolgt.

Für die, die an den einzelnen Bestellungen im Detail und an der Stornoquote interessiert sind habe ich hier den Export meiner Affilinet-Statistiken für das Projekt hochgeladen: Provisionsübersicht als CSV-Datei

Fazit & Ausblick

Die erzielten Provisionen sind keine Reichtümer, aber in Anbetracht der investierten Arbeitszeit von wenigen Stunden rechnerisch kein schlechter Lohn.

So richtig rentieren wird es sich aber erst, wenn noch bessere Rankings beim Hauptkeyword „zalando gutschein“ erreicht werden. Um mehr Kontrolle über die gesetzten Backlinks zu haben und die Lebensdauer des Projekts mit geringfügig besseren Links vielleicht noch ein bisschen zu steigern, bietet sich an, das Linkbuilding automatisiert selbst zu übernehmen. XRumer, Scrapebox und diverse kleinere Artikelverzeichnis-Submitter bieten sich an.
In meinem Versuch habe ich fast die komplette Arbeitszeit für die Erstellung des „Contents“ investiert. In einer größer angelegten Operation müsste man diesen Prozess automatisieren und z.B. mit einem guten Text-Spinner Artikel en masse produzieren, um zahlreiche Seiten parallel mit Inhalten versorgen zu können.

Dass Spam keine sinnvolle Beschäftigung ist, die damit erzielten Einnahmen auf sehr wackligen Beinen stehen und überaus ungewisse sind und dass man damit vielen Leuten auf die Nerven geht sollte jedem klar sein.



Kommentare

  1. Ich gehe stark davon aus, dass sich das in sehr vielen Branchen mit genau deiner Vorgehensweise rekonstruieren lässt. Allerdings werden die Websites langfristig abstürzen und nicht fortlaufend nebenher Geld abwerfen.

    Danke trotzdem für den weiteren Test, der wieder bestätigt, dass Google Spamlinks immer noch nicht erkennen kann.

    Du hast auf deiner Blogspot-Seite übrigens kein Impressum.

  2. […] Case Study: Lebenszyklus eines Gutschein-Spamprojekts – Artikel über einen “Gutschein-Spam”-Projekt […]

  3. Hast nicht ganz unrecht mit Deinem Beitrag. Allerdings Seiten wo die Gutscheine nicht funktionieren sehe ich zumindest auf der ersten Seite der Suchergebnisse nicht.

    Viele Grüße und danke für den lesenswerten Artikel.

  4. Danke für den Artikel, finde das Thema sehr interessant! Eine kleine persönliche Frage (rein aus Neugier): Hast du das Projekt auf einem deiner „gängigen“ Server laufen lassen oder hast du dafür ein Webhosting Paket o.ä. bestellt?

    1. Ein gesondertes Webhosting-Paket meinst du? Nein, selbst das war mir für den Test zu aufwendig, die Seite lief ganz einfach auf einem meiner normalen Webspacepakete.

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