Justus Blümer

Semantik, Algorithmen und Sensoren

Werden wir bald von den Computern heimgesucht, die unsere Daten aggregieren, zusammenführen, bewerten und verwerten?

Nein. Die Beispiele, mit denen ihr beginnt, sind für meinen Geschmack etwas sehr weit hergeholt. Handys mit Barometer? Gut, die Geschwindigkeitsmessung wäre dank GPS noch möglich, aber letztendlich muss man immer nach dem Sinn der Nutzung solcher Daten suchen. Es gibt kein universelles Muster der Musik, die Leute hören, wenn sie mit 120 auf der Autobahn unterwegs sind; der eine hört wilden Hip-Hop, der andere Klaviersonaten und das ist bei den meisten anderen Themen genau so. Genau so schwer ist es, aus einfach erhebbaren Informationen wie zum Beispiel der Positions- und Bewegungsdaten, aktuelle und genaue Stimmungsprofile zu erstellen. Gedankenlesen geht nicht.
Gut, wenn das System registriert, dass ich jede zweite Nacht auswärts übernachte, könnte ein Filter anspringen und das als die Adresse meiner Freundin identifizieren oder mir eine allgemeine Vorliebe für Döner unterstellen, wenn ich regelmäßig den entsprechenden Imbiss aufsuche. Das geht jetzt schon und auch wenn das harmlos klingt, nimmt das bei Heavy-Usern Orwell’sche Züge an, die diese Daten sowohl kommerziell als auch für Überwachungsorgane interessant machen würden.

Ich behaupte es gibt keinen Unterschied dazwischen, persönliche Daten vor Personen und Unternehmen oder aber vor „den Maschinen“ zu verstecken – sobald irgendwo Informationen verarbeitet oder kombiniert werden, hat das irgendjemand veranlasst, im Zweifel besagte Personen und Unternehmen. Das Bewusstsein, dass irgendwann veröffentlichte Daten irgendwann einmal negative Auswirkungen haben können, ist zwar sehr präsent, wird aber nicht ausreichend umgesetzt:

Wenn ich via Twitter über Kunden lästere, werden die das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht lesen. Trotzdem, irgendwann würde es garantiert schiefgehen und irgendwann ist einer von ihnen unter meinen Followern. Und wenn er es jetzt noch nicht ist, vielleicht ist er es irgendwann und liest gerne alte Tweets – das Internet vergisst ja nicht. Ob ich meinen Kundenfrust jetzt bei Twitter, Facebook, StudiVZ oder XING ablasse, ist bis auf die unterschiedliche Wahrscheinlichkeit, mit der der Kunde im jeweiligen Netzwerk angemeldet ist, egal, zumal z.B. Tweets ja bereits jetzt rege in anderen Social-Networks eingebunden und angezeigt werden.

Sich da noch auf AGB und „das sind aber meine Informationen“ zu berufen, mag rechtlich gesehen der Königsweg sein, in der Praxis sieht das anders aus. Zum Beispiel gibt es unzählige Seiten, die absolut widerrechtlicherweise WHOIS-Daten veröffentlichen. Diese Daten bekommst du mit etwas Pech niemals aus dem Netz. Also sollte man sich bevor man irgendwo irgendetwas eingibt, genau darüber im Klaren sein, ob man das auch auf anderen Plattformen so schreiben würde.

Zu foursquare und gowalla und wie sie alle heißen lässt sich noch sagen: Ich sehe keinen Sinn darin, meine Follower oder Blogleser darüber zu informieren, wo ich gerade bin oder wo ich mein Mittagessen einnehme. Wo ist der Vorteil für mich und warum sollte es die interessieren?

Mein Lob übrigens an die isarrunde, sehr schöne Serie mit unglaublichem Produktionsaufwand, wie man im Making-Of sieht. Weiter so!